50 Jahre NIGE

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Baubestand des NIGE um 1970

 

 

 

 

Text und Fotos von  DETLEF KIESE

Für das Niedersächsi­sche Internatsgymnasium in Esens (NIGE) kursierten schon manches Mal Schließungsplä­ne oder -gerüchte. So 1977, als die KGS Wittmund mit einer Sekundarstufe II versehen wur­de oder 1994, als das Land  massive Einsparungen auf dem Bildungssektor vornahm. Hier sicherte die Expo 2000, an der sich das NIGE als Außenstand­ort beteiligte, ebenso das Fort­bestehen wie eine Kostentei­lung zwischen Land und Land­kreis. Für Inselschüler blieb das Gymnasium immer ein un­verzichtbarer Lernort. So kann die Bildungsstätte an der Auricher Straße nach einer beson­deren Entwicklung jetzt auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück­blicken.

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Zum 40.NIGE-Geburtstag im Jahr 2006 gab es im Amphitheater Aufführungen der Theater AG

 

 

 

 

 

 

 

Bereits seit 1953 hatten sich zahlreiche Gemeinden in Ost­friesland als Standort der Nie­dersächsischen Heimschule, einer „Aufbauschule“, bewor­ben. Nicht zuletzt durch die hartnäckige Vorgehensweise von Stadtdirektor Ewald Neemann erhielt die Stadt Esens schließlich den Zuschlag und stellte das Grundstück am Rand des Schafhauser Waldes („Dienerskamp“, „Kuhkamp“) unentgeltlich zur Verfügung. 1964 wurde mit den Bauarbei­ten der ersten Gebäudeteile auf dem 7,5 Hektar großen Areal begonnen. Bis zur Eröff­nung waren auch Sportplatz, Wirtschaftsgebäude mit Spei­sesaal und Krankenstation, Kunst- und Musiktrakt, die Häuser für Internatsleitung und Schulhausmeister („Maysel“ und „Brösel“) und Be­dienstetenwohnungen reali­siert.

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Im Expojahr 2000 führte das NIGE auf dem Esenser Marktplatz das Stück „Störtebeker“ auf

 

 

 

 

 

 

 

Die Heimschule nahm am 18. April 1966 den Unterricht auf, sie startete als „neusprach­liches Gymnasium in Kurz­form“ mit zwei Kurzschuljah­ren und 140 Jugendlichen in zwei Klassen (7 und 11) in teils baulichen Provisorien. Die ers­ten Abiturzeugnisse überreich­te  Schulleiter  Ulfert  Balcke-Herlyn im Mai 1968 an 22 Schüler der Klasse 13. Die bei­den ersten der drei Internats­gebäude bezogen 52 der 149 Schüler im Oktober 1967. 15 Lehrer unterrichteten zu die­sem Zeitpunkt.

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Im Expojahr installierte der Kunstlehrer Falk Teichert die von Schülern gestalteten Seezeichen

Bauliche Voraussetzungen

Das Land ergänzte den Ge­bäudebestand 1972 durch ein Lehrschwimmbecken mit be­weglichem Hubboden (7,6 Mil­lionen Euro) und eine Turnhal­le. 1973 kamen der Pavillon am Schulhof, 1994 der naturwis­senschaftliche Trakt hinzu . Schulleiter Manfred Büttner hatte bis 1975 mehr als 20 Ein­gaben für den „Endausbau“ des Gymnasiums gemacht. Büttner verließ wegen privater und politischer Unstimmigkei­ten 1978 die Schule, Reiner Lerbs versah die folgende Inte­rimszeit. Im Jahr 1982 benann­te sich die bisherige Heim­schule nach einem Antrag von Schulleiter Bernd Pohlig in Niedersächsisches Internats­gymnasium um. Die Teilnahme an der Expo 2000 unter dem Motto „Welche Schule braucht die Zukunft unserer Welt?“ machte das NI­GE zu einer überregional an­erkannten und modern ausge­statteten Schule. Exponate et­wa in Form von Seezeichen, das Landart-Projekt „Tore zum Meer“ und der Planeten-Lehr­pfad sind neben dem geschaf­fenen Atrium als schulisches Kommunikationszentrum bis heute erhaltene Erinnerungen an einen das Schulleben inspi­rierenden, innovativen Zeitab­schnitt. Aber auch Projekte wie die Störtebeker- Revue und eine Radler-Sternfahrt aller Ex­po-Schulen nach Aurich sorg­ten für Furore. Reinhard Anton fungierte in dieser Zeit als Schulleiter, der einen Schwer­punkt auf die Integration des NIGE in das gesellschaftliche Umfeld legte und auch dafür namens der Schule 2001 den Silbernen Bären als höchste Auszeichnung der Stadt Esens entgegennahm.

Zwei Jahre später kam eine zweite Sporthalle hinzu, daneben entstand ein Amphithea­ter. 2004 empfing das NIGE aufgrund der Schulreform zum ersten Mal Fünftklässler und übernahm den zweiten Stand­ort – Räume der früheren Herbert-Jander-Hauptschule am Schafhauser Weg. Zugleich wurde das Gymnasium eine der ersten Ganztagsschulen in Niedersachsen. Zukunftswei­sende Projekte kennzeichne­ten den Schulgeburtstag 2006. Zum Motto „Gestern, heute, übermorgen – 40 Jahre NIGE -Leben am Meer“ erfolgte der Spatenstich für das 2007 fertig­gestellte Ganztagsgebäude („Selbstlernzentrum“). Muster-Photovoltaik-Anlagen wurden installiert, und das uraufgeführte Musical „Mozart rockt“ reiste sogar bis Hamburg. Bald folgte die Umgestaltung zum „Pausenhof der Sinne“.

In der Zeit der ersten Schul­leiterin Petra Palenzatis wuchs das Gymnasium auf mehr als 1100 Schüler mit 80 Lehrern und 30 Angestellten an, interak­tive Tafeln und die Schulplatt­form   ISERV  zum   modernen Kommunizieren wurden in Be­trieb genommen. Im November 2012 startete Kultusminister Dr. Bernd Busemann am NIGE die „Schule für Distanzlernen Nie­dersachsen“ (SDLN), bei der Palenzatis federführend war. Um dem Lehrermangel auf den Inseln zu begegnen, kann seit­her Unterricht per Videokonfe­renz nach außen übertragen werden.

 

Heute 900 Schüler

Das NIGE umfasst heute die Jahrgänge 5 bis 13 und führt als einziges unter den Niedersäch­sischen Internatsgymnasien von der 6. Klasse an neben Französisch auch Latein als zweite Fremdsprache. Spa­nisch kann ab der 6. Klasse und auch ab Klasse 10 als zweite Fremdsprache gewählt wer­den. Zum Schulleben gehören eine Reihe von Arbeitsgemein­schaften wie Musical, Gitarre, Robotik, Tontechnik, Zumba, Chöre, PC/Web, Rugby, Schülerzeitung, Ossiloop etc. Das NIGE ist DFB-Stützpunkt und unterhält eine Koopera­tion mit SV Werder Bremen. Fast 900 Schüler werden heute von mehr als 80 Lehrern unter­richtet. Hinzu kommen 30 nichtlehrende Mitarbeiter.

Bauliche Sanierungsmaß­nahmen der vergangenen Jah­re gipfeln aktuell in der Errich­tung von Verbindungstrakten zwischen den Internatsgebäu­den. Die Feiern zum 50-jähri­gen Jubiläum des NIGE stehen unter dem Motto „Nachden­ken – Interessieren – Gestalten – Entdecken“ und beinhalten neben Sportfest, Schülerkon­zert, Projekttagen und Ehemaligentreffen unter anderem eine Wattwanderung aller Schüler und Lehrer von Balt­rum nach Neßmersiel. Mit der neuen Schulleiterin Anja Ren­ken-Abken, die erst kürzlich er­nannt wurde, startet das Esenser Internatsgymnasium in sein siebtes Jahrzehnt – der stellvertretende Schulleiter Tjark-Fokken Emken hatte die Bildungseinrichtung während der Vakanz geleitet.

Zur offiziellen Jubiläumsfei­er am kommenden Montag 18.4.2016wird Niedersachsens Kultusmi­nisterin Frauke Heiligenstadt im NIGE erwartet. In einer Festschrift, die es aus Anlass des Jubiläums ab kommenden Montag im NIGE-Sekretariat, bei der Sparkasse in Esens und in den Buchhandlungen der Bärenstadt zu kaufen gibt, sind auf 252 Seiten viele Details nachzulesen.

Nach einem Artikel des Anzeiger für Harlingerland vom 14.4.2016

 

Chronik der SCHULLEITER

1966-1971 Ulfert Balcke-Herlyn

1971-1978 Manfred Büttner

 1978-1979 Reiner Lerbs (kommissarisch)

1979 -1989 Bernd Pohlig

1989 -1992 Reiner Lerbs (kommissarisch)

1992 -1996 Hartmut Heck

1996 – 2008 Reinhard Anton

2008 – 2015 Petra Palenzatis

2015-2016 Tjark-Fokken Emken (kommissarisch)

Seit 2016 Anja Renken-Abken

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