Exkursion der Geschichtskurse zur Gedenkstätte KZ Engerhafe

Pogromnacht? Volkstrauertag? Trister und kalter November?

Die "Totenköpfe" des Malers Herbert Müller

Die „Totenköpfe“ des Malers Herbert Müller

Oh ja, das Schicksal der zu Tode gekommenen Menschen im KZ Engerhafe konnten die Schüler der drei Geschichtskurse des 12. Jahrganges von Frau Schwaermer, Frau Krieger und Frau Bessert am vergangenen Montag gut nachvollziehen. Der Besuch der Gedenkstätte KZ Engerhafe war vor allem durch die bewegenden und nichts beschönigenden Worte des Zeitzeugen Carl Osterwald, Pastor a.D.und Vorstandsvorsitzender der Gedenkstätte, unglaublich beeindruckend für alle Beteiligten. 86-jährig und um Aufklärung und Aufarbeitung bemüht gestaltete Herr Osterwald eine Erzähl- und Frage-/Antwortstunde mit den Schülern. Dabei war er so schonungslos ehrlich, dass die immer wiederkehrende Frage aller Schülergenerationen: „Wie konnte das passieren?“ oder „Warum haben die Großeltern, die damaligen Zeitgenossen das zugelassen?“ beantwortet werden konnte: Die permanente Indoktrination, die immer wiederkehrenden Parolen im Stakkato-Ton, die prägende Freizeit in der Hitlerjugend, das von den Nationalsozialisten akribisch aufgebaute und stets genährte Feindbild der anderen, der „Nichtarier“, brannte sich fest in die Gehirne der Jugend ein und wurde durch Lieder, Drill und Gehorsamkeitsübungen in der hierarchisch aufgebauten Hitlerjugend, aber auch durch Lagerfeuerromantik, Belohnungen bei Wohlverhalten und Strafen bei Verstößen gefestigt.

Daraus entstand eine komplette Umwertung alter (biblischer) Werte: Töten war auf einmal „gut“, wenn es den Feind betraf, alle Schuld wurde in dem Fall vergeben. Das darüber Nachdenken war nicht gestattet, auch in den Familien wurde nicht reflektiert; wenn doch, dann folgte oft aus Angst keine Konsequenz daraus.

In kleineren Gruppen wurden sodann die Stätten abgelaufen: das alte Lager, das eine Zweitstelle des KZ Neuengamme darstellte, lag direkt im Schatten der Engerhafer Kirche und fasste ca. 2200 Menschen, die aus Polen, Frankreich, Holland etc. zum Arbeitseinsatz nach Ostfriesland überführt worden waren. Von der Straße weg verhaftet, ohne entsprechende Kleidung oder Ausrüstung, waren sie im Sommer 1944 in die Lager gekommen und im Oktober in das KZ Engerhafe zum Bau des „Friesenwalles“ (Teil des Atlantikwalles“) weiter transportiert worden. Bis Dezember 1944 (Auflösung und Spurenbeseitigung) sind durch die unmenschlichen Umstände im KZ Engerhafe 188 Menschen umgekommen. Beeindruckende Bilder des Malers Herbert Müller, der auch maßgeblich an der Idee der Gedenkstätte beteiligt war, bringen dem Betrachter die Situation vor Augen. Mühsam und mit viel Liebe zum Detail von ehrenamtlichen Mitarbeitern aufgearbeitete „Opfermappen“ erzählen die Einzelschicksale und sind für Recherchen der Schüler geeignetes Material (Dank an Familie Kessler an dieser Stelle!).
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Mittelalterliche „Pelzerhäuser“ in Emden

Vor allem emotional war diese Veranstaltung ein großer Lernerfolg.

Ein nachmittäglicher historischer Stadtrundgang in Emden konnte nach dem Erlebten in Engerhafe dann nur noch als Ausklang bezeichnet werden; sicherlich zu Unrecht, was die Bemühungen der Stadtführer angeht, aber beim direkten Vergleich mit der Vormittagsveranstaltung war natürlich im Empfinden der Schüler ein Bruch zu verzeichnen.

Alles in allem ein gelungener Schüler-Ausflug, der das Semester-Thema eindrucksvoll abrundet.

Elise Bessert

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