Die Menschen fallen ihrer eigenen Gier zum Opfer

Foto und Text: Julia Dittmann. „Es geht nicht um die Pflanze, sondern um die Weltherrschaft“, erkennt Seymour (Carina Abken) am Ende des Musicals „Der kleine Horrorladen“. Doch da ist es schon längst zu spät: Die sich von menschlichem Blut ernährende Pflanze „Audrey Zwo“ (Ayleen Reinicke) ist inzwischen beängstigend gewachsen, hat auf ihrem Weg dorthin schon den sadistischen Zahnarzt Dr. Scrivello (Luisa Nolting), den geldgierigen Blumenladenbesitzer Mr. Mushnik (Laura Janssen), aber auch Seymours große Liebe Audrey (Laura Soons) gefressen. Dann ist Seymour selbst dran – und der ebenfalls nur an Profit interessierte Investmentbanker Mr. Martin (Joline Brämer) plant nun sogar, Ableger von „Audrey Zwo“ in die ganze Welt zu verkaufen.

Seymour (Carina Abken) hat Audrey (Laura Soons) noch mal schwer verletzt aus der Killer-Pflanze „Audrey Zwo“ (Ayleen Reinicke, im Hintergrund sitzend) herausgezogen.

Dann fiel der Vorhang, die Besucher der Premiere des neuen NIGE-Musicals „Der kleine Horrorladen“ in der am Sonnabend bis auf dem letzten Platz besetzten Aula sprangen auf und spendeten den Schauspielern, der Band und der Bühnentechnik tosenden Beifall.

Doch so manchem Zuschauer dürfte auch ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen sein. Nicht nur wegen der gelungenen Darstellung der nimmersatten Pflanze, neben Ayleen Reinicke symbolisierten weitere in grün gekleidete Tänzerinnen das Wachsen und Morden, sondern auch, weil der im Original aus dem Jahr 1982 stammende „kleine Horrorladen“ erschreckend zeitgemäß daherkommt. „Mit Blick auf die momentane gesellschaftspolitische Lage steht die Killer-Pflanze auch für eine große Sache, die die Weltherrschaft an sich reißen könnte“, sagte dazu mit Laura Soons eine der Hauptdarstellerinnen kurz vor Aufführungsbeginn in einem Pressegespräch auf die Frage, warum sich das Ensemble denn ausgerechnet für dieses Musical entschieden habe. Und die mit ihrer Kollegin Ulrike Lotzmann für die Leitung zuständige Lehrerin Ricarda Grewe betonte, dass das Stück die Menschen schwach, manipulierbar sowie nach Erfolg und Geld gierend zeige. Grewe: „Die Pflanze weiß von Anfang an, dass sie Erfolg haben wird – denn sie kennt den menschlichen Charakter.“ Und so gibt es am Schluss anstelle eines Happy Ends nur viele Tote und die traurige Aussicht auf ein baldiges Ende der Menschheit.

Doch nun zur Handlung: In dem armseligen Stadtviertel Skid Row steht der Blumenladen von Mr. Mushnik kurz vor dem Konkurs. Noch ganz andere Sorgen haben die beiden Angestellten Seymour und Audrey. Während sich das Waisenkind als ewigen Verlierer sieht und von Mushnik nur ausgebeutet wird, wird Audrey von ihrem sadistischen Freund, dem Zahnarzt Dr. Scrivello, gequält. Eine nur scheinbar glückliche Wende scheint die Handlung zu nehmen, als Seymour eine von ihm „Audrey Zwo“ , nach seiner heimlichen Liebe Audrey benannte Pflanze, erwirbt. Denn die neue Pflanze im Schaufenster scheint eine magische Anziehungskraft auf Passanten zu haben – plötzlich laufen die Geschäfte wie verrückt.

Dumm nur, dass sich die sprechende, immer mehr wachsende Pflanze von Blut ernährt. Doch in ihrer Gier laufen die Menschen ihr alle in die Falle. Wie zum Beispiel Mr. Mushnik, der tatsächlich meint, in der Killer-Pflanze sei Geld versteckt. Alles vorher gewusst haben übrigens drei vor dem Blumenladen herumlungernde Teenager (Amke Ulrichs, Levke Stockmann und Lasse Schmitz), die zwar auch selbst Teil der Handlung sind, gleichzeitig aber wie ein Chor aus der griechischen Antike das Stück kommentieren. Viel Lob gab es anschließend auch für die Band unter der Leitung von Joshua Reiche sowie die Bühnentechniker, die für eine furchteinflößende Atmosphäre sorgten.

Nach einem Artikel des Anzeigers für Harlingerland vom 10.03.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.