Fortbildung im Rahmen vom Erasmus+-Programm
Neulich stand ein Artikel in unserer Zeitung und in den letzten Jahren war immer mal wieder die erschreckende Tatsache zu lesen:
Nahezu 30% der engagierten Lehrerinnen und Lehrer (laut Robert-Bosch-Stiftung) ist stark burnout-gefährdet!1
Woran liegt das? Bin ich gefährdet? Kann ich einen Burnout vermeiden oder sogar eine Depression lindern? Welche Knöpfe werden als Auslöser gedrückt, von denen ich nicht einmal weiß, dass es sie gibt und wie, wo und wann sie gedrückt werden? Wie gestalte ich einen stressfreien Klassenraum, auch für meine Schülerinnen und Schüler? Wie fördere ich gute Teamarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen, um in dem Bereich Stress zu verhindern?
Die Hoffnung, auf diese brennenden Fragen Antworten zu finden, brachte uns zu dem Erasmus+-Programm, das von der Europäischen Union finanziell unterstützt und gefördert wird und einige Angebote ähnlicher Art offerierte. Am besten passte die Fortbildung: „Well-being Strategies for Teachers: Nuture Mental Health by Relieving Stress, Fostering Resilience and Practicing Mindfulness“, die wir im kroatischen Dubrovnik besuchten. Die Inhalte des Programms umfassten sowohl die Stress-Auslöser als auch Informationen über Lerntypen der Schülerinnen und Schüler und die Stärkung der Lehrerpersönlichkeit und -gesundheit. Zudem gab es reichlich Aufschluss über die Ursachen von stressbedingtem Burnout.
Wem ist schon klar, dass der Mensch zwischen 12000 und 60000 Gedanken pro Tag hat und davon an die 80% negativ sind? Eine niederschmetternd hohe Prozentzahl, die nicht nur die EU betrifft, sondern weltweit relevant ist! In gemeinsamen intereuropäischen Gruppenarbeiten (in unserem Falle bestehend aus französischen, spanischen, polnischen, deutschen, belgischen und rumänischen Teams), sollten wir den unterschiedlichen Stressfaktoren nachgehen, um gegebenenfalls Unterschiede festzustellen. Nur war schnell klar: wir alle haben es mit den gleichen Ursachen zu tun: Warum haben wir so viele negative Gedanken? – Nun, hauptsächlich liegt es daran, dass sich evolutionär bedingt der Mensch Sorgen macht! Oft / Sehr oft über die nahe und ferne Zukunft, was für das Überleben natürlich essenziell ist; manchmal auch über vergangene Dinge. Sehr interessiert erfuhren wir über die Konsequenzen dieses Zustandes auf die Lebenseinstellung allgemein, auf Gesundheit, Schlaflänge und -güte und Genaueres über die Methoden, diese negativen Gedanken abzuschalten:
Auf Kroatisch nennt sich die Methode „pomalo“, was soviel bedeutet wie „Take it easy!“ und sie meint, dass man den unweigerlich entstehenden Kreislauf von Sorgen, schlechtem Schlaf, Fehlern, noch mehr Sorgen und daraus folgenden Angstzuständen am besten unterbricht durch ein Innehalten im Hier und Jetzt.
Sprich: Stelle den Autopiloten aus, der dich immer wieder in die Sorgenspirale treiben will, und konzentriere dich auf, ja, genieße sogar den jetzigen Moment sehr bewusst. Ein paar Minuten, heimlich dem Trubel des Tages „geklaut“, reiche aus (von unserem Trainer liebevoll „Quickie“ genannt), um dein Gleichgewicht wiederherzustellen. (Man könnte noch bewusst ein Lächeln in den Spiegel hinein anschließen-das wirkt Wunder!).
Wir hatten weiß Gott Gelegenheit, in dem schönen, wenn auch verregneten Dubrovnik ob der Schönheit der Natur und des Ortes innezuhalten und einen „Quickie“ zu machen, um Pomalo zu erreichen. Auch verschiedene Ansätze zur Ursachenbekämpfung erprobten wir in den Gruppen der verschiedenen europäischen Länder. So galt dem Atmen ein besonderer Fokus:
Wem fällt es schwer, den Moment in den Blick zu nehmen? Der sollte sich die Atemtechnik (1,2,3,4,: Einatmen, 1,2,3,4: Halten, 1,2,3,4: Ausatmen, 1,2: Halten) zu Hilfe nehmen.
Zudem gibt es Möglichkeiten, den „Triggern“ für Stressmomente zu begegnen, indem man sich klarmacht, dass man immer zwei Möglichkeiten hat: zu reagieren (und sich damit wegen seines „Autopiloten“ im Stressfaktor immer weiter hochschrauben zu lassen) oder einfach bewusst innezuhalten und dann zu „antworten“. Damit unterbricht man möglicherweise gefährliche Automatismen.
Das Bewusstsein bezüglich dieser Automatismen ist also ein großer Gelingensfaktor im Kampf gegen Stress und drohendem Burnout.
Im Kollegium können die Beachtung der „4 Cs“ im Umgang miteinander helfen: Collaboration, Communication, Critical Thinking und Creativity, weil wir auch dort dadurch bewusster und womöglich verständnisvoller antworten und uns und die alltäglichen Situationen kritischer hinterfragen (müssen).
Es gäbe noch viel mehr von den gelernten Techniken und Tipps zu berichten, aber das würde den hier gesetzten Rahmen sprengen. Wer Interesse hat, möge sich bitte das Padlet unter Edumaps: (https://nds.edumaps.de/56238/52795/eu8j8khjcf) anschauen.
Lasst uns versuchen, im Sinne der Gesundheit zum Pomalo zu gelangen!
Vielen Dank dem Erasmus+-Programm, der Schulleitung, den vertretenden Kolleginnen und Kollegen und dem Erasmus-Team für das refreshing Mindsetting!
Text und Bilder: Claudia Weissig und Elise Bessert
1 https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2024-04/Schulbarometer_Lehrkraefte_2024_FORSCHUNGSBERICHT.pdf, S. 10
Vgl. auch: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1367340/umfrage/lehrkraeften-physische-und-psychische-erkrankungen/















