Besuch des Museums Kalkriese

Wer hätte gedacht, dass wir uns einmal selbst archäologisch betätigen und Fundstücke von der berühmten Varus-Schlacht 9 n. Chr. vorsichtig freilegen würden?

Okay, die Fundstücke waren nur unechte Duplikate und in unseren Grabungsschnitten waren sie am Boden fest verankert, aber das „archäologische Gefühl“ war schon relativ echt. Wir erhielten eine fachmännische Einführung und annähernd „echtes“ archäologisches Grabungsmaterial, um möglichst vorsichtig Schicht für Schicht beiseite zu schieben und so an die unterschiedlichsten Fundstücke aus dem alltäglichen Leben oder auch dem Militärbereich zu gelangen: Allesamt sind diese Beweise aus der Vergangenheit tatsächlich in Kalkriese bei Osnabrück gefunden worden und bezeugen somit, dass dieser Ort mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der tatsächliche Austragungsort dieser berühmten „Schlacht am Teutoburger Wald“ zwischen Römern und Germanen gewesen sein muss.

Durch unsere Führung „Kalkriese 360 Grad“ erfuhren wir sehr viel zu den unterschiedlichen Ausrüstungen und Lebensweisen von Römern und Germanen und konnten auch an den toll aufbereiteten Fundstücken und Modellen verstehen, wie es möglich war, dass das so erfolgreiche römische Heer, in Germanien bei der Schlacht Durchsage und schreibe 3 Legionen vertreten, also insgesamt ca. 15000 Mann, von den Germanen völlig aufgerieben wurde und die Römer eine ihrer größten Niederlage erleben mussten. Diese Niederlage besiegelte sozusagen die Rheingrenze zwischen dem römischen Gallien/ Frankreich und den Germanen, die durch diesen Sieg ihre Unabhängigkeit vom römischen Reich gefestigt haben.

Fasziniert sahen wir mit Hilfe des „Murmelmodells“, wie wenigen römischen Soldaten letztendlich ein Entkommen möglich gewesen sein muss, da die Germanen die Römer in eine Falle gelockt hatten: Wegen eines angeblichen Aufstandes eines soeben besiegten germanischen Stammes mussten sie ihre Marschroute abändern und in unwegsames und sumpfiges Waldgelände ausweichen, wo sich zusätzlich die Wege noch stark verengten. Dies war den Römern zum Nachteil, da sie ihre erfolgreiche Schlachtordnung nicht einnehmen konnten, und den Germanen zum Vorteil, da sie sowieso die Guerilla-Taktik bevorzugten und Überraschungsangriffe aus dem Wald heraus tätigten. Der römische Heereszug war dermaßen in die Länge gezogen, dass die Germanen problemlos hinten Angriffe starten konnten, während vorne der Heereszug normal weitermarschierte. So zog sich die Schlacht über mehrere Tage hin und die letzte Entscheidungsschlacht wird anhand der Funde wie zum Beispiel Bleikugeln und die berühmte „Römermaske“, die die römischen Reiter manchmal zum Schutz trugen, bei Kalkriese verortet.

Generell war dieser Tag aber auch ein wunderschönes Klassenerlebnis, da die gemeinsame zweistündige Busfahrt und das herrliche Gelände mit Spielplatz und Livia-Restaurant, bei dem es „Cherusker-Pommes“, „Kalkriese-Wraps“, „Livia-Mahlzeit“ und „Varus-Teller“ zur Auswahl gab, uns viel Gelegenheit bot, zu einer Klasse zusammenzuwachsen. Es wurden ein paar Souvenirs gekauft und einige davon zieren nun unser Klassenzimmer, um uns lange daran zu erinnern.

Hoffentlich gibt es noch viele solcher Gelegenheiten, einen so schönen Tag miteinander zu verleben.

Text und Bilder: Elise Bessert