Lateinerfahrt nach Trier

Diese Wand hat vor 2000 Jahren schon mal ein Mensch angefasst!“, sagte ein Teilnehmer der Trierfahrt im Gewölbe der Kaiserthermen: Check! – Was gibt es Schöneres für Lateinlehrer/innen, als solche begeisterten Worte während einer Besichtigungstour zu hören???

Aber das war auch unser Ziel: Alle Lateiner des 9. Jahrganges mit römischen Überresten zu konfrontieren und festzustellen, dass auch sie sich davon faszinieren lassen, wie einem römische Überreste in einer deutschen Stadt (der ältesten Stadt Deutschlands!) auf Schritt und Tritt begegnen und sogar in das moderne Leben eingebaut sind, als lägen nicht 2000 Jahre dazwischen. Durch das 170 n. Chr. gebaute Nordtor, der Porta Nigra, tritt der Besucher in die Innenstadt ein. Entlang der Nord-Süd-Achse (dem Cardo Maximus) wandert er an römischen und mittelalterlichen Bauten vorbei bis zum römischen Amphitheater und fühlt sich in eine andere Zeit versetzt.

Aber von vorne: 37 unternehmungslustige Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen versammelten sich am Morgen des 17.02.2025, um eine 8-stündige Busfahrt ins schöne Trier zu starten. Was sich zunächst nach einer langen Tortur anhörte, erwies sich letztendlich – nicht zuletzt durch den zuvorkommenden und äußerst flexiblen Busfahrer Frank – als ein schöner Bestandteil für das gesamte gemeinsame Abenteuer. Sowieso – Gemeinschaft! In dieser Woche ist der Lateiner-Jahrgang definitiv zusammengewachsen, sei es durch die durch technische Schwierigkeiten belastete GPS-Rallye zu Beginn – Gott sei Dank gibt es Google Maps – oder die gemeinsamen Erkundungen der römischen Überreste der Porta Nigra und der Basilika am Nachmittag und den vergeblichen Versuch, noch vor Toresschluss in die Kaiserthermen hineinzukommen (sie wurden dann noch am Abfahrtstag erkundet). Ein Hoch auf unsere Schülerschar: Ohne Murren wurden die vielen, vielen Kilometer gelaufen. Da haben wir zum Schluss dieser Besichtigungstour zur Belohnung Frank gebeten, uns abzuholen. Ein paar Freiwillige sind am „freien“ Mittwochvormittag noch mit uns ins Amphitheater und in die Thermen am Viehmarkt gelaufen. Endlich mal das Hypokausten System live sehen und sich davon überzeugen lassen, dass das römische Heizungssystem mit Fußboden- und Wandheizung bis heute unübertroffen ist! Aber wir gedachten natürlich auch der zahlreichen Sklaven, die dafür unter grausamen Bedingungen in schlecht belüfteten, verrußten Gewölben unter dem Fußboden ihre Arbeit verrichten mussten.

Am Mittwochnachmittag brachte uns der Bus in eine Villa Rustica, die sogenannte Villa Borg, wo wir eine restaurierte, typische und komfortable Villa der begüterten römischen Oberschicht auf dem Land besichtigen konnten. Die römischen Bauherren hatten an alles gedacht: Ein großer landwirtschaftlicher Betrieb versorgte die Bewohner und natürlich auch den örtlichen Markt; die rekonstruierte Küche, Gerätehäuser, Unterbringungsgebäude für die Sklaven und Angestellten und hochherrschaftliche Räume für die Eigentümer und ihre Gäste konnten wir bestaunen. Auch eine eigene Thermen-Anlage mit Frigidarium und Caldarium durfte da nicht fehlen. Leider steht und fällt die Faszination mit der Empathie der Führungspersonen; gut gedacht, führte uns das – verkleidete – Verwalterehepaar in zwei Gruppen durch die Villa und war eben leider nicht zu gleichen Teilen fähig, die Aufmerksamkeit aller Zuhörer aufrechtzuerhalten. Schade!

Der Donnerstag war ein besonders spannender Tag: Wir haben einen Abstecher nach Frankreich gemacht und sind nach Verdun, genauer zum „Beinhaus von Douaumont“ gefahren, um dort der vielen Kriegstoten aus der Schlacht von Verdun zu gedenken. Tief ergriffen nach Turmbesteigung, Kirchenbesichtigung und einem einführenden Film gab es noch eine gemeinsame Gedenkminute: Es war wirklich eine bewegende Szene, als wir im Kreis standen, Frau Bikker ein paar entsprechende Worte sprach und die besinnliche Stimmung vom 12-Uhr-Geläut des Kirchturms vom „Beinhaus“ sehr passend beendet wurde.

Danach haben wir die Altstadt von Verdun mit Kathedrale und Kriegerdenkmal aufgesucht und die Zeit zum Shoppen in den nur spärlich geöffneten Geschäften genutzt.

Aber am meisten Eindruck auf die Jugendherbergsleitung haben wir alle mit unserer Klassenparty gemacht: „Die Jugendlichen sind ja richtig am Feiern!“, sagte dann auch der Herbergsleiter und freute sich mit uns über die gute Stimmung! Der Ringelreihe-Tanz zu dem Lied „Griechischer Wein“ wird wohl vielen unvergesslich bleiben und die mit Inbrunst mitgesungenen Songs wie Riptide von Vance Joy oder Die With a Smile von Bruno Mars und Lady Gaga wurden zum Renner. Ganz klar, dass wir das am Rückfahrtstag beim Einfahren vor den Haupteingang des NIGE mit voll erleuchtetem Bus laut gehört und auch den Eltern unsere gute Stimmung einmal präsentiert haben.

Es war aus Lehrersicht eine wirklich sehr schöne Fahrt (und lustig: ich sage nur „O-Deklination Neutrum“ :-)) und wir hoffen, es hat auch den Schülerinnen und Schülern gefallen, sich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben.

Text und Bilder: Nasim Bikker, Elise Bessert, Christoph Schetzberg