SDLN: „Guilty or not guilty?“

Nach einem Artikel aus dem Anzeiger für Harlingerland vom 7.6.2013SDLN_Polen_913

Text und Fotos VON KLAUS KREMER

„Guilty or not guilty?“ – in einem ganz besonderen Gerichtssaal fand am Mittwoch ein außerge­wöhnlicher Prozess statt. Als der ehrenwerte Richter den Raum betrat, erhoben sich Angeklagte, Zeugen, Staatsan­wälte, Verteidiger und Zu­schauer auf Langeoog und in Esens von ihren Plätzen, denn Schüler des Niedersächsi­schen Internatsgymnasiums Esens (NIGE) und der Insel­schule Langeoog spielten die Verhandlung gemeinsam im Rahmen einer Video-Konfe­renz in englischer Sprache, bei der zwei etwa 16 Kilometer entfernte Klassenräume zu einem wurden.
„Distance Learning“ (DL) heißt das Zauberwort, mit dem die Inselschulen und das NIGE seit einigen Monaten enger zusammen rücken.Der da­malige Kultusminister Althusmann hatte die Anlage im No­vember freigeschaltet.
Der Klassenraum im NIGE in Esens war zum Greifen nah (rechts: Englischlehrerin Barbara Glittenberg).

Der Klassenraum im NIGE in Esens war zum Greifen nah (rechts: Englischlehrerin Barbara Glittenberg).

Direkt nach den Weih­nachtsferien nahmen Englisch-Lehrerinnen Barbara Glittenberg in Esens und Anja Börgmann auf Langeoog Kon­takt auf, um für den Unter­richt ein Projekt vorzuberei­ten. Im Mai erarbeiteten die Schüler ihrer achten Klassen gemeinsam in drei Video-Konferenzen und dem nor­malen Unterricht die Lektüre „Killing Mr. Griffin“. Die Leh­rerinnen hatten sich zuvor in einer Probeschaltung mit der neuen Technik vertraut ge­macht.

Die Jugendlichen schlüpf­ten nun zum Abschluss in die Rollen der Protagonisten, über verschiedene Plattfor­men stimmten sich Staatsan­waltschaft, Verteidigung und Angeklagte im Vorfeld ab. Während der Schulzeit hatten sie über den SDLN-Server da­zu Gelegenheit, aber auch pri­vat über Skype, Telefon und Facebook, sogar persönliche Fahrten ans Festland inves­tierte die Langeooger „Staats­anwältin“ Hannah Westerkamp.

Gerichtsreporter Leo Barenthin stimmt die Zuschauer auf den Prozess ein, beobachtet von Kameramann Kevin Langen.

Gerichtsreporter Leo Barenthin stimmt die Zuschauer auf den Prozess ein, beobachtet von Kameramann Kevin Langen.

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Im Buch geht es um den strengen und verhassten Highschool-Lehrer Mr.Griffin, dem Schüler mit einem Kidnapping eine Lehre erteilen wollen. Doch das läuft aus dem Ruder, Mr. Griffin stirbt an einer unge­ahnten Herzschwäche! Statt zur Polizei zu gehen, beschlie­ßen die Freunde, ihre Tat zu vertuschen und verstricken sich immer tiefer in ein Netz aus Lügen, falschen Alibis und ängstlichem Schweigen. Nur einer bewahrt kühlen Kopf und geht über weitere Lei­chen!

Im virtuellen Gerichtssaal beobachten Englisch-Lehrerin Anja Börgmann und Schulleiterin Angelika Fischer den Prozess. Vorne v.l.: Richter Philipp Schmidt, Hendrik Janssen (einer von mehreren Angeklagten) und Staatsanwältin Hannah Westerkamp, deren „Kolleginnen“ in Esens saßen.

Im virtuellen Gerichtssaal beobachten Englisch-Lehrerin Anja Börgmann und Schulleiterin Angelika Fischer den Prozess. Vorne v.l.: Richter Philipp Schmidt, Hendrik Janssen (einer von mehreren Angeklagten) und Staatsanwältin Hannah Westerkamp, deren „Kolleginnen“ in Esens saßen.

Im Rahmen der Video-Konferenzen gab es zunächst eine Vorstellungsrunde. Dann wurden die Inhalte bespro­chen und Rollen verteilt. Die Gerichtsverhandlung wurde am Mittwoch vom Gerichtsre­porter Leo Barenthin eingelei­tet, bevor Anja Börgmann den ehrenwerten Richter Philipp Schmidt ankündigte und alle sich von den Plätzen erhoben. Der stellte nicht nur den An­geklagten zum Auftakt des Prozesses die entscheidende Frage „Guilty or not guilty?“, sondern bat auch die Zu­schauer um ihre Meinung.

Hendrik Janssen (einer von mehreren Angeklagten), Richter Philipp Schmidt und Staatsanwältin Hannah Westerkamp, deren „Kolleginnen“ in Esens saßen.

Hendrik Janssen (einer von mehreren Angeklagten), Richter Philipp Schmidt und Staatsanwältin Hannah Westerkamp, deren „Kolleginnen“ in Esens saßen.

Die besondere Zusammen­arbeit über LDL stellte für beide Seiten eine zusätzliche Moti­vation im Unterricht dar, für die Langeooger Schüler, die später ans NIGE wechseln wollen, um ihr Abitur zu ma­chen, bedeutete sie zudem den Vorteil, die künftigen Mit­schüler schon vorab kennen­zulernen. Das vereinfacht später den Start in der unge­wohnten Umgebung.

Die Technik wurde von bei­den Seiten schon ganz selbst­verständlich genutzt. Die ge­meinsame Gerichtsverhand­lung stand jedoch im Vorder­grund. Quer über das „Wat­tenmeer“ erfolgte schon mal ein „Psssst!“, wenn ein Schü­ler seinen Einsatz verpasst hatte.

Langeoogs Schulleiterin Angelika Fischer deutete an, dass die Technik nicht nur für den Unterricht eingesetzt werde, auch gemeinsame Fachkonferenzen würden so die Kooperationen der Schu­len intensivieren. Nicht zu­letzt sei die Arbeit mit LDL eine wichtige Vorbereitung auf Studium und Beruf.

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