Europa zu Besuch am NIGE

Nach einem Artikel im Anzeiger für Harlingerland vom 7.12.2012

Co_Gruppe_Aula_312Die regionalen Sport­arten stehen seit gestern im Fokus einer Comenius-Woche am Niedersächsischen Inter­natsgymnasium Esens. Dazu begrüßte Schullei­terin Petra Palenzatis knapp 50 Schüler sowie die betreu­enden Lehrkräfte aus Frank­reich, Polen, der Türkei, Ita­lien und Spanien.

Comenius ist das europäi­sche Programm für die schuli­sche Bildung. Es ermöglicht innovative Wege der Zusam­menarbeit und Partnerschaft schulischer Einrichtungen. Zuständig für die Umsetzung in Deutschland ist der Päda­gogische Austauschdienst (PÄD; als Nationale Agentur für EU-Programme im Schul­bereich. „Das Projekt mit den Partnerschulen in Esens wur­de im Juni genehmigt und wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission fi­nanziert“, erklärt Ulrich Apke, der die Gäste während der Co­menius-Woche am NIGE zu­sammen mit Martin Ebert, Hanna Geistert und Thilo Thedinga betreut.

Im Zeitalter der Globalisie­rung und Europäisierung ma­chen sich immer mehr Men­schen, darunter eben auch Schüler, Gedanken über ihre Identität. Der Prozess der Europäisierung, der bisher vor allem den wirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund rückte, wird von vielen Men­schen mit Ängsten verbun­den. „Die Befürchtung, das Eigene zu verlieren, die eigene Identität aufzugeben, zuguns­ten eines zentralisierten Euro­pas, macht es den Bürgern schwer, in Europa eine Chan­ce zu sehen, die mehr bietet, als die Annehmlichkeiten einer einheitlichen Wäh­rung“, erklärt Ulrich Apke. Vor   diesem   Hintergrund will das Projekt am NIGE „Re­gionale Identität als Voraus­setzung für eine europäische Zukunftsperspektive – regio­nale Sportarten“ in Esens bei­spielhaft aufzeigen, dass Europa auch und vielleicht gerade nur dann funktioniert, wenn man sich seiner eigenen regionalen Identität bewusst ist. „Andererseits wollen wir natürlich Lust auf Europa und die Perspektiven machen, die ein geeintes Europa eröffnet“, so Apke. Die Stärkung des europäischen Gedankens und seine Weiterverbreitung durch die Jugendlichen gehö­ren zu den Hauptzielen des Comenius-Projektes des NIGE als Gastgeber.

Während ihres einwöchi­gen Aufenthaltes sollen die Schüler der Partnerschulen -alle liegen in eher ländlich ge­prägten Regionen mit zum Teil hoher Arbeitslosigkeit und oftmals prekären Ein­kommensverhältnissen – in gemeinsamen Aktivitäten ihre interkulturellen Kenntnisse ausbauen   und   reflektieren, das Verbindende in Kultur, Geschichte und Mentalität herausstellen und sich gleich­zeitig über das jeweils regio­nal Spezifische bewusst wer­den. Weitere Aspekte dieses Projektes sind die Verbesse­rung der sprachlichen Kom­petenz sowie die Vorbereitung auf den sich wandelnden europäischen Arbeitsmarkt.

Erste Gelegenheit zum Kennenlernen hatten die Schüler und Lehrer nach der offiziellen Begrüßung bei Kaf­fee und Tee, serviert von der Elternschaft im Atrium des NIGE. Kommuniziert wurde dabei überwiegend auf Eng­lisch, aber auch Spanisch, Französisch und Deutsch. Erster offizieller Akt war an­schließend ein Empfang durch den Bürgermeister der Stadt Esens, Klaus Wilbers, im Rathaus. Vertieft wurde das Kennenlernen von Esens während einer Stadt-Rallye.

Ab heute arbeiten die Schüler und Lehrer in Theorie und Praxis an den regionalen Sportarten. Auf dem Stunden­plan stehen nicht Mathe, Phy­sik oder Chemie, sondern Struukbessensmieten, Wärmflaschen-Weitwurf und ande­res mehr. Eher typisch deutsch sind Punch, Lebku­chen und Spekulatius.

Morgen geht es um den ostfriesischen „Nationalsport Nummer. 1″, das Boßeln. Da­mit verbunden ist im Freizeit­bereich häufig der Genuss ty­pisch regionaler Speisen. So ist nach dem Boßeln auf der Hartwarder Straße auch ein zünftiges Grünkohlessen vor­gesehen.

Nach einem Sonntag zur freien Verfügung geht es am Montag um die mediale Prä­sentation weiterer regionaler Sportereignisse wie Ossiloop und Nordseeschwimmen so­wie der Präsentation der Er­gebnisse der Partnerschulen. Mit der Entwicklung einer neuen europäischen Sportart, die Elemente aus allen betei­ligten Regionen berücksich­tigt, und einer Abschlussfeier im Captains in Bensersiel geht die Comenius-Woche in Esens Dienstag zu Ende.

© von Klaus Händel

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